Durch Gewalterfahrungen kann das Leben schnell aus den Fugen geraten. Menschen, deren Seele schwer verletzt ist, benötigen schnelle und leicht zugängliche Hilfe von Fachleuten. Denn wenn das Erlebte aktiv verarbeitet wird, kann die Seele leichter heilen. Genau diese Hilfe leisten Traumaambulanzen. In diesem Jahr haben drei weitere Klinikstandorte die Arbeit als Traumaambulanz im im Freistaat Sachsen aufgenommen.
Drei neue Traumaambulanzen
Zu Beginn des Jahres lief der Betrieb im Sächsischen Krankenhaus in Arnsdorf an. Auch am Sächsischen Krankenhaus in Altscherbitz und der Klinik am Waldschlößchen in Dresden gibt es nun Traumaambulanzen für Erwachsene. Die Klinik am Waldschlößchen hält zugleich therapeutisches Personal für Traumaprävention und -behandlung bei Kindern und Jugendlichen bereit.
Damit existieren elf Jahre nach der Eröffnung der ersten sächsischen Traumaambulanz inzwischen neun Traumaambulanzen für Erwachsene sowie vier Traumaambulanzen für Kinder und Jugendliche im Freistaat.
Ziel: Ein flächendeckendes Netz an Traumaambulanzen
„Seit langem bauen wir in Sachsen ein Netz an Traumaambulanzen auf, um Opfern von Gewalt wirksame und niedrigschwellige Hilfe anzubieten. Nach einer Gewalttat sind Betroffene häufig auch seelisch schwer belastet. Sie erhalten hier umgehend Beratung und therapeutische Betreuung. Neben unmittelbar Geschädigten selbst können auch Angehörige, Hinterbliebene und nahestehende Personen schnelle psychologische Hilfe in einer Traumaambulanz erhalten“, so Gesundheitsministerin Petra Köpping.
Einen vollständigen Überblick über alle Traumaambulanzen im Freistaat Sachsen finden Sie unter: traumanetz-sachsen.de
An wen richtet sich das Angebot der Traumaambulanzen?
Traumaambulanzen unterstützen Betroffene von Gewalt bei der Bewältigung von psychischen Belastungen. Der Zugang zu Traumaambulanzen für Opfer von Gewalttaten ist niedrigschwellig und bietet den Betroffenen schnelle und qualifizierte Hilfe von Psychotherapeuten.
Sind Sie von einem Gewaltdelikt betroffen? Sie haben körperliche und/oder schwere psychische Gewalt erlitten und erleben dadurch psychische Belastung?
- Dann haben Sie Anspruch auf Schnelle Hilfen in Traumaambulanzen nach dem Sozialen Entschädigungsrecht (SER)
- Sie können sich innerhalb von zwölf Monaten nach der Gewalttat direkt in der nächsten Traumaambulanz melden
- Bei Gewalttaten, die länger als 12 Monate zurückliegen, wird eine Behandlung nur bei akuter psychischer Belastung angeboten
Schwer belastende Erfahrungen können beispielsweise sein: Körperverletzung oder Raubüberfälle, sexualisierte Gewalt und sexueller Missbrauch, häusliche Gewalt oder Gewalt in der Partnerschaft, Mord und Tötungsdelikte, Erlebnisse wie Krieg, Flucht oder Folter, aber auch die Zeugenschaft derartiger Ereignisse gehört zu schwer belastenden Erfahrungen.
Daraus resultierende, häufige Beschwerden können sein: das Wiedererleben des traumatischen Ereignisses in Form von unkontrollierten Gedanken, Bildern (sogenanntesFlashback-Erleben), Albträume. Ein andauerndes Gefühl von Betäubtsein und emotionaler Stumpfheit, Gleichgültigkeit gegenüber anderen Menschen, Teilnahmslosigkeit gegenüber der Umgebung, Freudlosigkeit, Überforderung, Dissoziation. Vermeidung von Aktivitäten, die Erinnerungen an das Trauma wachrufen könnten. Ständige innere Unruhe, übermäßige Schreckhaftigkeit oder Schlaflosigkeit. Andere psychische Störungen, zum Beispiel Angst, Schmerzen oder depressive Gedanken.
Wer ist anspruchsberechtigt?
- Deutsche Staatsangehörige, die in Deutschland oder im Ausland eine Gewalttat erlebt haben
- Staatsangehörige anderer Länder, die in Deutschland eine Gewalttat erlebt haben, unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus
- Schockgeschädigte: Personen, die Gewaltopfer aufgefunden oder die Tat beobachtet haben
- Angehörige (Ehegatten, Kinder, Eltern)
- Hinterbliebene (Witwen/Witwer, Waisen, Betreuungsunterhaltsberechtigte)
- Andere Nahestehende (Geschwister und Partner einer eheähnlichen Lebensgemeinschaft)
Das Behandlungsangebot der Traumaambulanzen
- Frühzeitige psychotherapeutische Behandlung, um die Entwicklung einer psychischen Gesundheitsstörung oder deren längerfristiges Bestehen zu verhindern
- Erwachsene haben Anspruch auf bis zu 15 Therapiestunden
- Therapie-, Fahrt-, Betreuungs- und Dolmetscherkosten werden übernommen
- Kinder und Jugendliche haben Anspruch auf bis zu 18 Therapiestunden
Die Kosten dieses Behandlungsangebots werden für Anspruchsberechtigte und nach Antragstellung vom Kommunalen Sozialverband Sachsen (KSV) übernommen.
Traumaambulanzen für Erwachsene in Dresden
Traumaambulanz Seelische Gesundheit am Universitätsklinikum Dresden: Lukasstraße 3, 01069 Dresden, Seiteneingang links, Tel.: 0351/41726750. E-Mail: traumaambulanz@uniklinikum-dresden.de
Website: uniklinikum-dresden.de/pso/traumaambulanz. Behandlung von Erwachsenen nach Gewalterfahrung. Überweisung durch einen Arzt oder Selbstvorstellung.
Traumaambulanz Klinik am Waldschlößchen: Fachklinik für Psychosomatische Medizin – Zentrum für Psychotraumatherapie, Sudhausweg 6, 01099 Dresden. Tel.: 0351 44832071 (wochentags 8.00 bis 16.30 Uhr). E-Mail: traumaambulanz@klinik-waldschloesschen.de. Website: www.klinik-waldschloesschen.de/traumaambulanz/traumaambulanz-nach-ser/.