Am kommenden Wochenende finden wieder die Tage des offenen Weingutes statt – wie immer am letzten August-Wochenende. Früher lag das Datum vor der Lese, es bot den Winzern auch die Gelegenheit, Platz im Keller zu schaffen für das, was da kommt.
Dieses Jahr ist vieles anders
Dieses Jahr ist zwar nicht alles, aber vieles anders: oft liegt nicht viel im Keller, weil 2024 ja ein Frostjahr war, das zwar zu gutem, aber meist wenig Wein führte. Sächsische Winzer, die es im Vergleich mit anderen Regionen besonders heftig getroffen hatte, mussten also Wein hinzu kaufen. Die einen deklarieren es, andere decken den Mantel des Schweigens drüber und überlassen es den Rücketikettenlesenden, die Wahrheit zu finden.
Manche Winzer bringen aber auch erst jetzt Weine auf den Markt, die 2023 gelesen wurden. Martin Schwarz, den die einschlägigen Weinguides für einen der besten (wenn nicht gar den besten) Winzer in Sachsen halten, gehört zu denen, die den komplexeren Weinen viel Zeit geben. Und so kann man jetzt bei den Tagen des offenen Weingutes (und bei ihm auch bei der Vorabendveranstaltung „Schwarze Nacht“, zu der es im Vorverkauf nur noch wenige Karten gibt), was Neues probieren: einen 2023er Blaufränkisch.

Ich war im Vorfeld auf dem Weingut und unterhielt mich mit Grit Geißler, der (nicht nur Lebens-)Partnerin von Martin Schwarz, über den Wein – und die neuen Etiketten auf einigen Flaschen, die man dieses Jahr erstmals zu Gesicht bekommt: schlicht schwarz-weiß gehalten, sehr modern und übersichtlich sind sie. Nötig waren die, weil Martin Schwarz 2022 in den VDP aufgenommen wurde, dem Verband deutscher Prädikatsweingüter. Dem gehören bundesweit nur um die 200 Weingüter an – sie bilden die Spitze deutschen Weinbaus ganz gut ab (will heißen: es gibt auch gute, die nicht drin sind – aber die, die drin sind, sind eigentlich nie schlecht!). Der VDP hat, um die Qualität zu sichern, strenge Regeln. Eine ist: VDP-Weine müssen eigene Weine sein. Zugekaufte, bei anderen Winzern gewachsene Trauben, gehören in eine zweite Linie (meist heißt das dann: Weinhaus) – und das Etikett sollte sich vom VDP-Wein-Etikett unterscheiden.

So, genug der Theorie, nun aber zum Wein! Blaufränkisch wird in Sachsen kaum angebaut (Schloss Wackerbarth hat ihn noch), aber man kennt ihn aus Österreich oder (gut übersetzt als Kékfrankos) vom Urlaub in Ungarn. Manchmal trinkt man allerdings auch einen Blaufränkisch, ohne es zu ahnen – die Württemberger nennen ihn nämlich Lemberger (so einen hatten wir schon!).
Der Blaufränkisch von Schwarz
Der Blaufränkisch von Schwarz wuchs in Radebeul im Krapenberg, genauer im Gelände der ehemaligen Rebenversuchsanstalt. Martin Schwarz und Grit Geißler haben die Fläche seit 2022 gepachtet und damit die zum VDP-Weingut Martin Schwarz gehörende Fläche gleich mal verdoppelt: von drei auf sechs Hektar. Auf einem Dreiviertel-Hektar vom Krapenberg wächst der Blaufränkisch (im Vergleich: der Lemberger bringt’s in Württemberg auf 1.757 ha, Stand von 2023). Die Löss- und Lehmböden verleihen dem Wein Eleganz, Würze und eine saftige Frucht. Martin Schwarz setzt ja nicht nur bei Rotwein auf Holz – aber hier natürlich auch: über 14 Monate konnte der Blaufränkisch in gebrauchten 500-Liter-Holzfässern reifen. Das tat ihm auch gut (und vordergründig schmeckt man das Holz beim Holzmann Schwarz eh nicht!). Im Gegenteil: saftig, klar und präzise kommt dieser Blaufränkisch ins Glas – als echte sächsische Rarität!

Blaufränkisch bei den Tagen des offenen Weingutes
Am Wochenende (30. und 31. August ) kann man den 2023 Blaufränkisch Ortswein in seinem natürlichen Habitat bei den Tagen des offenen Weingutes probieren. Im Areal der Krapenburg gibt es an beiden Tagen um 11, 14 & 17 Uhr Weinbergsführungen, Besichtigung der historischen Talutanlage inklusive. Der Eintritt ist frei. Für die Schwarze Nacht am 29. August gibt es noch Karten über den Shop des Weinguts: www.schwarz-wein.de.

Alle Veranstaltungen der Tage des offenen Weinguts findet man nicht beim Weinbauverband, sondern auf den Seiten des Tourismusverband Elbland Dresden e.V.: unter www.visit-dresden-elbland.de/tage-des-offenen-weingutes.
Unser Autor Ulrich van Stipriaan ist bekennender Genussmensch. Seine profunde Weinkenntnis ist im Podcast „Auf ein Glas!“ zu hören. Ebenfalls unter stipvisiten.de finden sich online Reiseberichte, Restaurantkritiken sowie Beiträge über Wein und Winzer. Lesen Sie HIER ein weiteres Weinporträt.